x

Brauchen Sie Hilfe?

Contact Email
contact Phone
Cancel icon
Login
X

Arbeiten 4.0 und "Die Lizenz zum Experimentieren"


Date: 2015-09-16

"Die Lizenz zum Experimentieren" unser Beitrag zur Blogparade #HRLab: Müssen Personaler zu Experimentier-Agents für “arbeiten 4.0″ werden? Und wenn ja, wie?

Hier geht es zum Aufruf der Blogparade

Die Lizenz zum Experimentieren – vielleicht hat auch Thomas Sattelberger an einen bekannten britischen Schriftsteller gedacht, als er diesen Wunsch im Rahmen der letztjährigen Zukunft Personal formulierte. Während Ian Fleming seine Romanhelden mit der Lizenz zum Töten ausstattet, dient die Lizenz zum Experimentieren konstruktiven Zielen. Sie soll uns einen Raum schaffen. Einen Raum, in dem wir etwas wagen, neue Konzepte erproben und neue Lösungsvarianten ersinnen können. In denen wir Experimentier-Agents sein können.

Warum es dafür einer Lizenz bedarf, hat verschiedene Gründe. So könnten die Bürostühle der Führungskräfte heute auch durchaus auf Ideen von Q zurückgehen, hat man doch manchmal das Gefühl, sie wären mit Treibladungen versehen. Passieren Fehler, werden Führungskräfte schnell ausgetauscht. Die Geduld ist durchaus begrenzt. Problematisch dabei ist, dass viele Situationen, in denen Fehler geschehen, nicht erprobt werden können. Die zur Bewältigung von besonders anspruchsvollen Aufgaben nötigen Routinen können nicht verinnerlicht werden. Die Entwicklung der Mikro- und Makroumwelt ist ebenfalls problematisch. Dabei ist es nicht die Veränderung an sich, sondern ihre Geschwindigkeit, die selbst die meisten Gefährte aus den Bond-Romanen langsam erscheinen lässt.

Diese und weitere Rahmenbedingungen betreffen das gesamte Unternehmen, mit ihm aber natürlich auch und besonders den Personalbereich. Hier kann viel bewegt werden. Die Zukunft des Unternehmens, nach klassischem Verständnis eine Bastion des strategischen Managements, liegt auch in den Händen der Personaler. Unsere Entscheidungen können ebenso folgenreich sein wie jene, die die beispielsweise die Distributionspolitik betreffen und Vertriebswege und damit Einnahmen für Jahre eröffnen oder für immer verschließen können. Sie sind so wirkungsstark wie die Entscheidung über die Ausstattungsvarianten des neuen automobilen Topmodels, das im kommenden Jahr präsentiert wird. Und doch bleiben sie meist verborgen.

Der Bereich der Human Ressources ist im Bewusstsein noch immer nicht im Management-Olymp angekommen. Wir sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen, bekommen jedoch nur selten entsprechende Kompetenzen zugesprochen. Und jetzt gibt es auch noch einen neuen Dienst, den wir Ihrer Majestät erfüllen dürfen: einen „gewaltigen Umbruch“ in der Arbeitswelt bewältigen, wie IG-Metall-Chef Detlef Wetzel die unter Arbeit 4.0 subsummierten Veränderungen in der Gesellschaft und vor Allem am Arbeitsplatz einmal beschrieb. Ihre Majestät, Andrea Nahles, hat mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales bereits festgestellt, dass die seit Beginn des 21. Jahrhunderts laufende Entwicklung mannigfaltige Veränderungen beinhaltet.

Die Produktionsweise hat sich grundlegend verändert und Vernetzung und Digitalität verändern die Arbeitswelt vollständig und nachhaltig. In der Folge wird die sogenannte Digital Literacy immer bedeutsamer für die Arbeitnehmer. Diese Digitalkompetenz, also die basalen Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien und Endgeräten, ist uns Menschen jedoch nicht in die Wiege gelegt. Und während die Bereiche Bildung und Ausbildung weitestgehend dezidiert geregelt sind, sind es Fort- und Weiterbildung, also bei heutigen Arbeitgebern genau die Bereiche, in denen die Digital Literacy erworben werden müsste, die oft unstrukturiert daherkommen. Schnell ist die Leitfrage formuliert „Wie können betriebliche sowie tarifpolitische Instrumente und For¬men einer allgemeinen staatlichen Weiterbildungsförderung syste¬matisch ineinander greifen und eine neue Weiterbildungskultur in Deutschland etablieren?“ und uns direkt in die Pflicht genommen. Der Schlüssel liegt also in der Verbesserung der Weiterbildung, bekannterweise eine Kernaufgabe der Personalentwicklung.

Wir erinnern uns: mit Kompetenzen nicht gerade überhäuft, fristen wir bis dato ein Dasein im Schatten des Strategischen Managements. Und jetzt ist es an uns, die Welt – oder zumindest die Arbeitswelt - zu retten, einsam wie Flemings Bond. Auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten wirkt Sattelbergers Forderung nach der Lizenz zum Experimentieren spannender denn je. Es könnte so beruhigend sein, ungestört auf die Suche nach Strategien für gänzlich neue und unbekannte Situationen zu gehen. Und führte eine Idee nicht direkt zum gewünschten Erfolg, würde uns der Rücken freigehalten, um im nächsten Versuch die einstige Idee zu einer probaten Lösung weiterzuentwickeln. Leider findet weder in Der Spion, der mich liebte noch in Der Morgen stirbt nie oder in sonst einem der Bücher und Agentenfilme um James Bond der Konjunktiv Verwendung. Uns hilft er auch nicht sonderlich, wird uns diese Lizenz doch verwehrt.

Wir haben sehr begrenzte Möglichkeiten und große Ziele. Und genau diese Feststellung könnte sich als wichtiger Denkanstoß erweisen. Mit eben diesem Ungleichgewicht mussten schon andere vor uns umgehen, allen voran: Startup-Unternehmen. Vielleicht können die Vordenker unter den Gründern unser Q werden, der Quell toller Erfindungen, die uns in größter Not retten. Was können wir von ihnen lernen? Erst einmal natürlich, dass wir knappe Ressourcen nicht verschwenden dürfen. Reibungsverluste müssen minimiert werden. Hierbei dürfen wir ruhig Tools vertrauen, die die Kommunikation erleichtern. Geschüttelt, mit flachen Hierarchien serviert, schmeckt der Cocktail direkt nach einem verbesserten Verhältnis zwischen den Mitarbeitern und einer gehobenen Arbeitsmoral und gesteigerter Effektivität.

Auch wenn das bekömmlich wie ein guter Vodka Martini erscheint, fehlt uns bis jetzt noch die wichtigste Ingredienz zum Erfolg. Startups können und müssen ganz auf Flexibilität setzten, was in großen Unternehmen per se schwierig wird. Eine Lösung hierfür ist noch nicht in Sicht. Und wir versuchen weiter, möglichst abseits der großen Bühne unsere Mission erfolgreich zu bewältigen. Dabei sollten wir vor allem ein wachsames Auge haben. Schließlich hatte Q bis jetzt für jede noch so brenzlige Situation eine wirkungsvolle Erfindung parat. Und die Lizenz zum Experimentieren - wo sonst könnten wir sie uns besser verdienen als bei dieser Herausforderung?

AUTOR

Holger Antz

Geschäftsführer