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Irren ist menschlich: der Base-Rate Neglect für Personaler


Date: 2018-05-15

Das menschliche Gehirn ist durch Jahrhunderte der Evolution geprägt. Die Herausforderungen waren bis jetzt groß. Die größte war sicherlich der Umgang mit unzähligen Sinneseindrücken. Diese auf das Gehirn einprasselnden Reize können nicht allesamt verarbeitet werden. Das Gehirn bedient sich daher einiger Tricks, um mit dem Überangebot an Informationen umzugehen. Diese Tricks erleichtern das Bestehen im Alltag, machen unseren Denkapparat aber auch anfällig für Fehler. In seinem Buch „Die Kunst des klaren Denkens“ hat Rolf Dobelli 52 dieser für den Menschen typischen Denkfehler zusammengestellt. Die Idee dahinter: Wer sie kennt, kann sie im Alltag vermeiden – und trifft in der Folge bessere Entscheidungen.

Personalmanager sind im Arbeitsalltag mit einer ganzen Reihe folgenschwerer Entscheidungen konfrontiert. An ihrer Stelle schadet es also nicht, sich selbst einmal zu hinterfragen: Unterliege Ich dem gleichen menschlichen, aber vermeidbaren Denkfehler? Beginnen können sie mit einem Blick auf den Base-Rate Neglect. Dobellis Beispiel ist simpel:Markus ist ein dünner Mann, der gern Mozart hört. Ist Markus LKW-Fahrer, oder ist Markus Literaturprofessor in Frankfurt? Was ist auf Basis der gegebenen Informationen wahrscheinlicher? Dabei schauen die meisten Menschen auf die naheliegenden Fakten. Klar, Markus ist Literaturprofessor. Vergessen wird oft, dass wir uns vom Naheliegenden täuschen lassen. In unserer Gesellschaft gibt es viel mehr LKW-Fahrer als Literaturprofessoren in Frankfurt. Die Frage nach der Wahrscheinlichkeit ist also einfach zu beantworten.

Was bedeutet das für Personaler? Der Base-Rate Neglect tritt beispielsweise dann auf, wenn eine bestimmte Position im Unternehmen vakant wird und sich die Neubesetzung schwierig gestaltet. Dann sind Personaler versucht, im strategischen Personalmanagement in Zukunft entsprechende Nachfolger auszubilden. Der Ansatz ist richtig, vergessen wird dabei allerdings die Grundwahrscheinlichkeit: Sind im Beispielunternehmen 70% der Mitarbeiter in der Produktion tätig und nur 5% im Controlling, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste ausscheidende Mitarbeiter eine Vakanz in der Produktion hinterlässt, vierzehn mal höher als dass ein neuer Controller gebraucht wird – auch wenn gerade der fehlende Controller der Personalabteilung aktuell Kopfschmerzen bereitet.
Mit der Erkenntnis ist der Weg geebnet für eine verlässlichere Personalplanung. Dabei hilft eine ausführliche tabellarische Übersicht der verschiedenen Aufgaben im Unternehmen und ihrer prozentualen Verteilung. Wer die Mühe scheut, kann auch auf die Unterstützung einer Personalmanagement-Software zurückgreifen. Diese hat die verschiedenen Anforderungsprofile im Unternehmen stets im Blick und kann fundierte Empfehlungen für die Personalabteilung vorbereiten. Ein Base-Rate Neglect ist somit ausgeschlossen.

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